Zwei typische Wesensmerkmale hochbegabter Menschen bildhaft erklärt

Vielleicht fragst du dich, wie ich auf diese Annahme komme und was sie zur Klärung der Veranlagung hochbegabter Menschen beitragen könnte?

Das Bild der (unaufgeräumten) Schublade halte ich für eine genauere Klärung bezüglich mancher Mythen und Vorurteile gegenüber hochbegabten Menschen für sehr geeignet – und das erkläre ich dir gerne in folgendem Beitrag:

Zu den ureigenen Eigenschaften hochbegabter Menschen zählt unter anderem ein hohes Bedürfnis, unangepasst und eher nonkonform zur Mehrheit der Gesellschaft zu leben. Zu hoch ist ihr innerer Drang nach Freiheit, Unangepasstheit sowie die Ausprägung ihrer „Über den Tellerrand hinaus“-Denke.


Das 1. Wesensmerkmal und sein (bildlicher) Bezugspunkt zur „Schublade“: Die meisten hochbegabten Menschen lehnen unhinterfragtes Schubladendenken ab – sowohl für sich selbst und ihr individuelles Denken und Verhalten, als auch im Hinblick auf das Verhalten anderer Menschen. Die Einteilung in festgelegte gedankliche, konventionelle Kategorien widerstrebt ihnen und ihrem inneren Wertesystem.


Allerdings gelingt es ihnen nicht immer, diese wesentliche Eigenschaft für sich selbst in für sie idealer Art und Weise im Alltag umzusetzen und auszuleben. Das wiederum hat vielfältige Gründe: Durch ihre hoch ausgeprägte Fähigkeit, „zwischen den Zeilen“ zu lesen, haben hochbegabte Menschen ein hohes Empfinden für die Erwartungen, die ihr direktes Umfeld an sie stellt. Diese Erwartungen sind in den meisten Fällen sogar unausgesprochen, d.h. „nonverbaler“ Natur – allein durch ihre hohe emotionale Sensitivität und ihre Fähigkeit zum Transferdenken gelingt es hochbegabten Menschen, dabei vor allem schon während ihrer Kindheit, unausgesprochene Erwartungen zu antizipieren. Sie erfassen diese intuitiv.


Unter anderem durch ihr hohes Streben nach Harmonie und aufgrund ihres häufig ausgebildeten Wesenszugs „es allen Recht machen zu wollen“ geraten sie dabei schnell in ein an diese Erwartungen angepasstes Verhaltensmuster. Diese frühkindliche Prägung kann sich auf ein ganzes Leben auswirken und einen hochbegabten Menschen ein Leben lang in seiner persönlichen individuellen Entfaltung beeinflussen – und ihn im schlimmsten Fall gänzlich daran hindern. So geraten hochbegabte Menschen schnell in einen Widerspruch – auf der einen Seite sträuben sie sich gegen ein angepasstes, der Norm entsprechendes Leben, auf der anderen Seite merken sie aber, dass sie durch die Erfüllung der Erwartungen anderer ohne zu viel äußeren Widerstand „gut durchs Leben" kommen. Dieses „gut durchs Leben kommen“ beinhaltet dabei für sie vor allem ein Leben ohne zu viel äußere Reizeinwirkung, was ihrem inneren Wohlbefinden sehr entgegen kommt.


Je geringer der äußere Widerstand, an dem sie sich aufreiben (müssen) – wie er z.B. durch Konflikte im Familien- oder Freundeskreis oder im schulischen Umfeld zustande kommen kann, sowie auch durch Erklärungen bzw. Rechtfertigungen für eigenes Verhalten – desto minimaler die eigene mentale Kraftaufwendung zur Bewältigung solcher Situationen bzw. auch der Energieaufwand zur Reizverarbeitung. Das bezieht sich sowohl auf die gründliche Informationsverarbeitung während und vor allem auch im Anschluss solcher Situationen.


2. Wesensmerkmal: Die hohe mentale Konzentration zu jeder Tages- und Nachtzeit verlangt hochbegabten Menschen 24 Stunden am Tag viel Energie ab. Ihr Denkapparat scheint ununterbrochen auf Hochtouren zu laufen. Das hat zum einen mit ihrer angeborenen Veranlagung zu tun, für Reize empfänglicher als der Durchschnitt der Menschen zu sein (erhöhte Wahrnehmungs- und Reizoffenheit), aber auch mit ihrer Fähigkeit zu vernetztem Denken.


Dauernd entstehen in ihrem Gehirn neue Möglichkeiten, die Dinge des Alltags in neue Zusammenhänge zu bringen. Dabei läuft dieses Denken in gewissen „Bahnen“. Ist ein intensiver Gedankengang einmal angestoßen, kann es sogar sein, dass hochbegabte Menschen nahezu gereizt reagieren, wenn sie in ihrem aktiven Nachdenken durch äußere Einflüsse plötzlich unterbrochen werden. Der Wille zum „Zuende-Denken" ist zumeist stärker als die Bereitschaft, auf einen äußeren Umstand unmittelbar und sofort reagieren zu wollen.


In diesem Zusammenhang wird auch hochbegabten Kindern nachgesagt, dass sie z.B. in Kindergarten oder Schule nicht auf Anordnungen der ErzieherInnen oder LehrerInnen reagieren und "ungehorsam" oder nicht in der Lage sind, sich zu konzentrieren. Dabei sind sie einfach "nur" zu gründlich in ihrer kreativen Denkstruktur verhaftet. Sie sind in der Lage, sich intensiven Gedankengängen hinzugeben, um in ihre eigenen "Welten" abzutauchen (wofür sie mehr Zeit als andere Kinder benötigen und aus denen sie behutsam wieder zum Auftauchen gebracht werden können). Gerade das kleinkindliche Gehirn legt dabei den Fokus umso mehr auf seine ausgeprägte Phantasie und Kreativität.


Um auf den Titel dieses Beitrags zurückzukommen: Was hochbegabten Menschen zum Ausgleich geistige Entlastung bringen kann – und was die wenigsten Menschen mit Hochbegabung in Verbindung bringen – ist zum Beispiel eine unaufgeräumte Schublade. Was das mit ihrer Denkweise zu tun hat? Eine ganze Menge, denn eine solche unaufgeräumte Schublade, in die allerhand Krimskrams hineinpasst, ist sozusagen der Inbegriff der zahlreichen „Datenströme“, die sich in einem reizoffenen Gehirn Bahn brechen. In einer solchen Schublade "dürfen" diese sein und das hochbegabte Gehirn speichert den Inhalt solcher Schubladen nicht selten bildlich ab, um einen gesuchten Gegenstand im Bedarfsfall zielgerichtet aus dieser Schublade herauszufischen. Als genauso spontan und "sprunghaft" kann das generelle Denkmuster hochbegabter Menschen bezeichnet werden.


Daher räumen auch – oder gerade – hochbegabte Menschen mit umso höherer Wahrscheinlichkeit mindestens eine Schublade in ihrem Zuhause nicht auf (wobei sicherlich Ausnahmen die Regel bestätigen) und erfreuen sich am Chaos, das dort ausgelebt werden darf. Diese Schublade weist jede Angepasstheit von sich, zeigt eine hohe Toleranz gegenüber ihrem Inhalt, ist allem Krimskrams gegenüber offen und in ihrer Erscheinung dennoch diskret. Auch wenn es manchem hochbegabten Menschen in seinem Alltag aus den unterschiedlichsten Gründen (noch) zu wenig gelingen mag, sein Bedürfnis nach Nonkonformität zu leben, so hat er in seinen Gedanken umso mehr abgespeichert, dass diese Schublade zuhause zumindest schon mal ein kleiner, ausgelebter Anfang ist. Und das Beste: Sie kann durchaus als Vorbild dienen. Spätestens wenn sie aus allen Nähten platzt, zeigt sie ihrer Unangepasstheit den unmittelbaren Weg nach draußen.





Meine Frage an dich: Wie sehen deine Schubladen aus? Was verraten Sie über dich? Schreibe mir gerne deine spontanen Gedanken, ich bin gespannt – ich stecke dich garantiert in keine Schublade und freue mich sehr über neue Denkanstöße (gerne per Mail an mich unter info@evagredel.com)! :-)


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