Hochbegabung:
Divergentes Denken und intensives Erleben

Die – ebenso wie die Hochsensibilität – angeborene und vererbte Veranlagung der Hochbegabung stellt heutzutage immer noch einen „weißen Fleck“ auf der Landkarte des gesellschaftlichen Bewusstseins dar. Ebenso wie hochsensible Menschen allzu oft mit Vorurteilen konfrontiert werden (siehe meinen Beitrag unter „Hochsensibilität“), haben hochbegabte Menschen einigen Klischees zu begegnen. Bezeichnungen wie „Nerd“, „Schlauberger“ oder „Sonderling“ sowie auch das eingängige Bild des „Wunderkindes“ sind nur einige davon. Diese beruhen auf dem vielzitierten „gefährlichen Halbwissen“, dem ich durch die Aufklärung über dieses Thema gerne konstruktiv begegnen möchte.

Ureigene Wesensmerkmale eng verknüpft mit erhöhter Sensitivität

Wesentlicher für ihre wertschätzende und sinnstiftende Einschätzung sind ihre Charaktereigenschaften, von denen alles intensive Denken und Fühlen und damit das Verhalten hochbegabter Menschen ausgeht. Grundlegend bedeutet eine Hochbegabung „anders“ zu sein, das auch bereits durch die allgemeingültige Definition von dem, was in unserer Gesellschaft als „normal“ bezeichnet wird. Allein durch ihr divergentes Denken weichen Hochbegabte davon ab. 

 

Zu den typischen Eigenschaften hochbegabter Menschen zählen unter dem Motto "mehr wahrnehmen, fühlen und denken" u.a. folgende (um hier nur eine kleine Auswahl anzuführen): 

  • eine hohe Auffassungsgabe, wahrnehmen von vielschichtigen Details

  • weitreichende Überlegungen anstellen, Erfassen komplexer Zusammenhänge

  • schnelles, vorauseilendes Denken

  • hohes Streben nach Perfektion, dabei hoher Anspruch an sich selbst

  • auffallend hohes sprachliches Ausdrucksvermögen

  • eine ausgeprägte Intuition, "Fingerspitzengefühl"

  • emotionale Sensitivität und ein reiches Innenleben

  •  hohes Einfühlungsvermögen und Mitgefühl

Diese beispielhaft angeführten Merkmale führen in sehr vielfältigen Situationen dazu, dass sich hochbegabte Menschen häufig nicht mit den Einstellungen der Mehrheit der Menschen identifizieren können. Aus diesem Grund ist es für sie bedeutsam, sich selbst und ihren individuellen Empfindungen zu vertrauen.

"[…] wachsende Selbsterkenntnis; die Aneignung des eigenen Denkens, Fühlens und Erinnerns;
[…] die Suche nach der eigenen Stimme: All das ist nicht so gegenwärtig und selbstverständlich,
wie es sein sollte. [...] Die Kultur, wie ich sie mir wünschte, wäre eine leisere Kultur,
eine Kultur der Stille, in der die Dinge so eingerichtet wären, dass jedem geholfen würde,
zu seiner eigenen Stimme zu finden."
(Bieri 2019: 33f.)
 
Es ist für hochbegabte Kinder und Erwachsene umso wichtiger, ihr angeborenes Potenzial angemessen verwirklichen zu können und zu lernen, ihrer inneren Stimme zu folgen - viel zu oft geraten sie in Widersprüche, weil sie der äußere Rahmen in der Entfaltung ihrer vielschichtigen Talente beeinflusst.
 
Mit meinem Beratungsangebot möchte ich zur Lösung dieses im breiten Bewusstsein der Gesellschaft weniger verankerten soziokulturellen Problems beitragen. Um die angeborenen Potenziale hochbegabter Menschen in produktive Performanz umzusetzen, bedarf es einer behutsamen inneren Reflexion sowie einer von Grund auf wertschätzenden und empathischen Haltung gegenüber den Ratsuchenden. Diesem Ansatz habe ich mich in meiner qualifizierten Herangehensweise verschrieben.

Hochbegabung ist übrigens mit dem Wesensmerkmal der Hochsensibilität eng verknüpft.

Quellen:

- Bieri, Peter (2019): "Wie wollen wir leben?". München: dtv.

- Brackmann, Andrea (2018): "Ganz normal hochbegabt. Leben als hochbegabter Erwachsener". Stuttgart: Klett-Cotta.

- Reichardt, Eliane (2018): "Hochbegabt? Potenziale erkennen und fördern". München: Irisiana.

WER SIND "DIESE HOCHBEGABTEN"?

Ein paar wenige "Eckdaten" sind hier und da bekannt, aber nicht die größere Bedeutung der ureigenen charakterlichen Merkmale und die damit verbundenen vielschichtigen Verhaltensweisen hochbegabter Menschen. Eins ist jedenfalls sicher: Die "typische Hochbegabte" oder den "typischen Hochbegabten" gibt es nicht. Dafür sind die damit einhergehenden Muster im Denken und Fühlen zu komplex und außerdem in ihrer Beeinflussung zu sehr an das jeweils prägende soziale Umfeld (Elternhaus, Familie, Schule etc.) geknüpft.

Rein formell betrachtet gilt eine Person als hochbegabt, „wenn sie in einem oder mehreren Bereichen über geistige Fähigkeiten verfügt, die in ihrer Ausprägung extrem weit über dem Durchschnitt ihrer Altersgenossen liegen“ (Brackmann 2018: 18). Diese Fähigkeiten können dabei ganz unterschiedlicher Ausprägung sein. Auch gibt es vom Begriff der Intelligenz sehr unterschiedliche Auffassungen, allgemein versteht man darunter die „Fähigkeit, Probleme zu lösen (sprachliche, technische, soziale, mathematische etc.) und Lösungsstrategien flexibel auf neuartige Aufgabenstellungen übertragen zu können“ (Brackmann 2018: 19).

Die meisten erinnern sich an den bekannten Grenzwert des Intelligenzquotienten von 130 (messbar durch einen IQ-Test), ab dem man offiziell als hochbegabt gilt. Ungefähr 2,3 Prozent der Bevölkerung weisen diesen oder einen höheren Wert auf. Der Großteil der Menschen bewegt sich in einem IQ-Bereich zwischen 85 und 115 (der "mittlere IQ" liegt dabei auf der Skala der Normalverteilung der Intelligenz bei einem Wert von 100).

 

Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich die damit verbundenen Wesensmerkmale und ihr Auftreten innerhalb der Persönlichkeit eines Menschen nicht punktgenau an die Marke von 130 halten, sondern bereits ab einem IQ von 115 bis 120 zu beobachten sind (häufig unterschiedlich in der Intensität ihrer Ausprägung) - so sprechen wir von ca. 15-20 Prozent der Bevölkerung, die sich in ihrem individuellen Erleben von der Mehrheit unterscheiden.

 

Da allerdings durch diese Festsetzung des benannten Grenzwertes die Hochbegabung ausschließlich mit Intelligenz in Verbindung gebracht wird, ergibt sich die landläufige Auffassung darüber, hochbegabte Kinder und Erwachsene würden lediglich durch kognitive Höchstleistungen auffallen: „Auch sehr viele Eltern teilen die Auffassung, Hochbegabung beschränke sich allein auf den kognitiven intellektuellen Anteil, und stehen deshalb auffälligem Verhalten ihrer Kinder im sozio-emotionalen Bereich oftmals hilflos und verwirrt gegenüber. […] Leider machen Gespräche der Eltern mit Erziehern und/oder Lehrern ihrer Kinder, in denen ihnen häufig zu Therapien geraten und sie mitunter gar dazu genötigt (!) werden, die Situation nicht besser und ihnen das Leben nicht leichter. Ganz im Gegenteil […]“ (Reichardt 2018: 22f.).

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