Hochbegabung erkennen und begleiten: Ein Blick auf hochbegabte Kinder und Erwachsene

Warum die Auseinandersetzung mit Hochbegabung weit mehr ist als die Beschäftigung mit Intelligenz


Der Begriff „Hochbegabung“ wirft bei seiner Verwendung im Allgemeinen viele Fragen auf und erzeugt bis heute vielerorts immer noch Berührungsängste bis hin zu einer Art Verweigerungshaltung, sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen. Das bringt für Menschen, die von Geburt an mit dieser besonderen Veranlagung ausgestattet sind, weitreichende Folgen für ihr ganzes Leben mit sich. Deshalb ist es auch vor allem in Bezug auf die Entwicklung unserer Kinder höchste Zeit, Vorurteile abzubauen und über sich hartnäckig haltende Mythen zum Thema Hochbegabung aufzuklären.



Noch immer existiert in den meisten Köpfen ein falsches Bild vom „hochbegabten Kind“ und seinen Eltern sowie auch vom „hochbegabten Erwachsenen“. Bei einer Auseinandersetzung mit diesem Begriff wird in vielen Fällen lediglich die Verbindung mit dem vorhandenen Intelligenzquotienten hergestellt und nach einer eindeutigen Definition gesucht, die vermitteln soll, unter welchen Voraussetzungen Kinder und Erwachsene dieser "Kategorie" zugeordnet werden können.


Doch ist es wirklich nur eine kurze und knappe Definition des Begriffs "Hochbegabung" in ausschließlicher Verknüpfung mit einem messbaren Wert der Intelligenz, auf deren Grundlage hochbegabte Kinder und Erwachsener konstruktiv begleitet werden können? Ist es nicht vielmehr die umfassende Beschäftigung mit den Persönlichkeitsmerkmalen und den vielfältigen Verhaltensweisen, die hochbegabte Kinder und Erwachsene in unterschiedlichen Situationen mitbringen? Und wie lässt sich eine Hochbegabung damit zuverlässig erkennen und erschließen?



Hochsensibilität und Hochbegabung: Die Wahl der Begrifflichkeiten und ihre Definition


Bezüglich der rund um dieses Thema verwendeten Begriffe möchte ich zu Beginn anmerken, dass im deutschen Sprachgebrauch sowohl die Bezeichnung „Hochsensibilität“ als auch „Hochbegabung“ eher eine verwirrende als eine aufklärende darstellt. Wird der Begriff "Hochsensibilität" oft auf den ersten Blick fälschlicherweise ausschließlich mit einer erhöhten "Sensibilität" im Sinne von "hoher Emotionalität" in Verbindung gebracht, erschließt das in keiner Weise den Hintergrund, den diese Veranlagung mit sich bringt.


So kann in diesem Zusammenhang der wissenschaftliche, gleichbedeutende Begriff der "Hochsensitivität" leichter und stimmiger Abhilfe schaffen, um die Bedeutung dahinter zu erkennen: Hochsensible Menschen weisen – vereinfacht ausgedrückt – von Geburt an eine erhöhte Reizaufnahme ihres Gehirns auf und besitzen damit eine besonders intensive Wahrnehmungsfähigkeit. Sie sind offener gegenüber der sie umgebenden Reize auf allen Ebenen und nehmen folglich viel mehr von ihrer Umwelt gleichzeitig wahr. Dies bezeichnet das Wort "Hochsensitivität" zutreffender, da es den Ursprung der Bedeutung "sensitiv" berücksichtigt und sich auf die körperliche, empfindsame Reaktion "mit allen Sinnen" auf eingehende Reize bezieht. Dabei steht es außerdem in eindeutiger Verbindung mit dem englischen Ausdruck "high sensitivity", der zur Benennung dieser Veranlagung verwendet wird.


"Mehr fühlen", wie es der Begriff "Hochsensibilität" vermittelt, bedeutet in diesem Fall, mehr durch die eigenen Sinne (engl. "senses") wahrzunehmen. Eine weitere, wissenschaftlich fundierte Bezeichnung für diese Veranlagung ist übrigens auch "Neurosensitivität", der auf die erhöhte Sensitivität des Nervensystems von Geburt an hinweist.


Dazu kommt die allgemeine Auffassung des Begriffs "Hochbegabung" als eher "elitärem" Gedanken, der vielen Menschen suggeriert, es handele sich hierbei um Menschen, die sich selbst in ihrem Bewusstsein als "hoch entwickelt" und "extrem fähig" ansiedeln. Dass bei den meisten hochbegabten Menschen genau das Gegenteil der Fall ist, möchte ich im weiteren Verlauf dieses Artikels aufzeigen und so zu einer "konstruktiven Entkräftigung" dieses Mythos beitragen.


Für Eltern ist es eher schwer zu erkennen, ob ihr Kind hochsensibel oder hochbegabt sein könnte, da die umfassende Aufklärung zu diesen Themen innerhalb unserer Gesellschaft immer noch ein Schattendasein führt. Erste Anhaltspunkte für Merkmale hochsensibler und hochbegabter Kinder und ihre Einordnung in den Alltag findest du hier.


Eins meiner Hauptanliegen in meiner täglichen Arbeit mit hochbegabten Kindern und Erwachsenen ist es, häufig vorhandene Berührungsängste in Bezug auf dieses Thema abzubauen, über Persönlichkeitsmerkmale aufzuklären sowie Mut zu machen, sich mit der eigenen Veranlagung bewusst auseinanderzusetzen.




Hochbegabung begleiten: Der Blick auf eine besondere Veranlagung fernab einer pauschalen Definition


Hochbegabung ist – so wie die damit eng verknüpfte Hochsensibilität – angeboren und beeinflusst mit ihren vielschichtigen Persönlichkeitsmerkmalen von Geburt an das Fühlen, Denken und Handeln und somit das ureigene Verhalten. Es ist eine komplexe Veranlagung, die ebenso zahlreiche wie vielfältige Merkmale und Eigenschaften beinhaltet.


So kann eine vermeintliche Hochbegabung auf den ersten Blick nicht allein dadurch erkannt werden, dass ein Kind besonders gut in der Schule ist und vielleicht ausdauernd hervorragende Noten in Mathe schreibt oder generell ein Einser-Schüler ist. Dazu kommt es eventuell noch hervorragend mit seinen Mitschülern aus und verfolgt mit großem Interesse und Engagement außerschulische Hobbies und Aktivitäten. Diese Schüler gibt es durchaus, sie verkörpern aber keinesfalls den Großteil hochbegabter Kinder.


Im Gegenteil – es finden sich in den Schulen viele unerkannt hochbegabte Kinder mit eher schlechten Noten, die aufgrund von für sie unstimmigen Voraussetzungen im Lernumfeld oder in der familiären Umgebung und Prägung ihre grundsätzlich vorhandene Motivation nicht nach außen tragen können und wollen. Sie werden zu sogenannten „Underachievern“, die ihr schlummerndes Potenzial nicht in produktive Performanz verwandeln – was bedeutet, dass sie keine Veranlassung erkannt haben, Lehrern oder Eltern zu zeigen, was eigentlich in ihnen steckt.


Solch ein Verhalten deutet darauf hin, dass es dem Umfeld nicht gelungen ist, die intrinsische Motivation des Kindes zu wecken – so besitzt das Kind kein Interesse, seine Leistung um ihrer selbst Willen abzurufen und aus dem Wunsch heraus, selbstwirksam und in der Folge erfolgreich zu sein oder Freude über das eigene Können zu empfinden. Das hochbegabte Kind hat in seiner differenzierten Wahrnehmung festgestellt, dass seine Leistung alleine aus äußerlichen Beweggründen gefördert werden soll – gute Noten, Beliebtheit oder jegliche andere Form von „Belohnung“ durch das Umfeld. Das führt nicht selten dazu, dass hochbegabte Kinder keine Veranlassung darin sehen, sich produktiv zu zeigen.


Ebenso spielt die eine immer gleiche Abfolge und die Vermittlung der Lerninhalte eine Rolle – schleicht sich hier eine wenig fordernde Routine ein, verlieren hochbegabte Kinder schnell das Interesse an einer aktiven Beteiligung am Geschehen. Dazu kommt, dass durch den angebotenen Frontalunterricht den Kindern zumeist eine zu geringe Beteiligung an den Gestaltungsmöglichkeiten zur Lernvermittlung geboten wird, was Langeweile im Unterricht fördern kann.


Diese Form des Underachievements bzw. der sogenannten "Minderleistung" in der Schule kann sich dabei sehr umfassend gestalten und führt in vielen Fällen nicht selten bis zu einer kompletten Schulverweigerung.


Bei Erwachsenen kann eine gleichartige „Verweigerungshaltung“ entstehen, wenn sie dauerhaft ein ähnlich unpassendes Umfeld übertragen auf den Job und das eigene Berufsgefüge vorfinden.



Der IQ und seine Aussagekraft


Ist der „messbare“ Wert einer Hochbegabung auf einen Schwellenwert von 130 IQ-Punkten festgesetzt (lies für nähere Ausführungen gerne hier nach), gibt es zahlreiche Persönlichkeitsmerkmale, die in Verknüpfung mit einer hohen Intelligenz auftreten und offensichtlich sind. Dabei ist zu berücksichtigen, dass einige davon bereits ab einem IQ-Wert von 115-120 auftreten und charakteristisch sein können, selbst wenn in solch einem Fall eine Hochbegabung von „offizieller“ Seite nicht bestätigt werden würde (dazu wird sich allein auf die IQ-Werte ab einer kognitiven Intelligenz von 130 berufen).




Hochbegabung erkennen: Indizien und Merkmale


Um das Konstrukt der Hochbegabung in einem ersten Schritt besser verstehen zu können, ist es sinnvoll, zunächst Verhaltensweisen in ganz unterschiedlichen Situationen unter die Lupe zu nehmen. Diese Veranlagung zeigt sich so vielfältig und komplex und ist von so unzähligen Prägungen im Laufe eines Lebens abhängig, dass voreilige Beurteilungen nicht pauschal durchzuführen sind. Erfolgen diese zu oberflächlich und beispielsweise vorrangig lediglich an vermeintlichen „Verhaltensauffälligkeiten“, kann eine Hochbegabung unerkannt bleiben und durch eventuelle "Diagnosen", die in andere Richtungen zeigen, weitreichende Konsequenzen für den weiteren Lebenslauf eines hochbegabten Kindes haben.


Generell stoßen wir hier auf das gesellschaftliche Problem, dass hochbegabte Kinder in der allgemeinen Auffassung beispielsweise eher nicht mit „problematischem Verhalten“ oder „rückständiger Entwicklung“ in Verbindung gebracht werden. Kinder, die durch Beobachtungen in Kindergarten oder Schule so eingeordnet werden, bekommen im nächsten Schritt nicht selten eine wie auch immer geartete "Diagnose", die in die pathologische Richtung abzielt und daraufhin eine entsprechende Therapie angeordnet, die wiederum zu dem von den Erwachsenen gewünschten, idealen Verhalten führen soll (lies dazu auch meinen Artikel "Wie Hochsensibilität, Hochbegabung und ADHS zusammenhängen").


Die richtige und unterstützende Begleitung von Kindern, die tatsächlich Hilfe hinsichtlich ihrer Entwicklung benötigen, soll damit nicht in Frage gestellt werden. Es bleibt hier allerdings die Tatsache häufig unbeachtet, dass es sich gerade bei verhaltensauffälligen Kindern lohnt, ganz genau hinzuschauen und ebenso empathisch wie konstruktiv zu überprüfen, woraus dieses Benehmen resultiert. Liegt eine Hochbegabung vor? Denn gerade wenn das soziale Umfeld aus Familie, Freunden und Schule in irgendeiner Form aus dem Gleichgewicht geraten ist, sind es vor allem hochbegabte Kinder, die darauf äußerst intensiv, empfindsam und auf ganz eigene Art und Weise reagieren.



Hochbegabte Kinder und Erwachsene erkennen und einordnen


Um verschiedene Einflussfaktoren für hochbegabte Kinder und auch Erwachsene anzuführen, verweise ich im Folgenden auf das Münchner Hochbegabungsmodell von Kurt Heller (2000, zit. n. Reichardt 2018, S. 49f.). In diesem Modell wird schlüssig aufgezeigt, welchen unbegrenzten äußeren Einflüssen hochbegabte Menschen ununterbrochen ausgesetzt sind und wie sich diese gegenseitig beeinflussen und aufeinander auswirken.


So sind es bei weitem nicht – wie oft angenommen – nur naturwissenschaftliche Bereiche, in denen hochbegabte Kinder „auffallen“ können. Alle Schulfächer bzw. Themenfelder wie z.B. auch Sprachen, Sport oder Bildende Kunst lassen sich als Kriterien für eine Beurteilung von Hochbegabung anführen: „Es handelt sich also keineswegs, wie immer noch vielfach angenommen, nur um Mathematik und Naturwissenschaften, sondern durchaus auch um Bereiche, die allgemein eher selten mit einer kognitiven Hochbegabung in Verbindung gebracht werden. Wir finden hier auch Sport und Kunst sowie soziale Beziehungen (soziale, emotionale Intelligenz)“ (Reichardt 2018: 49f.).


Auf diese Leistungsbereiche treffen also nach dem Münchner Begabungsmodell die veranlagten sogenannten „Begabungsfaktoren“, die hochbegabte Kinder seit Geburt mitbringen können, wie z.B. kreative, intellektuelle oder künstlerische Fähigkeiten sowie auch eine ausgeprägte soziale Kompetenz oder Musikalität. Diese Faktoren können ebenfalls wiederum in sehr unterschiedlicher Intensität ausgeprägt sein und in ihrer Kombination auf sehr unterschiedliche äußere Voraussetzungen treffen. Unter diese Voraussetzungen fallen wiederum u.a. das Beziehungsklima in der Familie, das Klassenklima oder diverse Lebenserfahrungen, die das Kind sammelt bzw. bereits gesammelt hat.


So führt beispielsweise ein negatives Klassenklima (wenig Zusammenhalt, lediglich Beachtung von Regeln, aber nicht von Gefühlen der einzelnen Schüler, Leistungsdruck etc.) dazu, dass sich ein hochbegabtes Kind mit seinen vorhandenen Potenzialen – wie oben bereits erwähnt – „versteckt“ hält und in den Kreislauf des Underachievements gerät. Seine Fähigkeiten finden so keinen Weg nach draußen, bleiben ohne Förderung und das betroffene Kind kann weder seine Intelligenz noch sein Potenzial konstruktiv nutzen und voranbringen.


Schließlich kommen nach dem Münchner Modell noch „nicht-kognitive Persönlichkeitsmerkmale“ hinzu, die sich auf die Entwicklung hochbegabter Kinder und Erwachsener auswirken. Dazu gehören die bereits erwähnte „Leistungsmotivation“, erlernte oder eben auch nicht vorhandene „Arbeits- und Lernstrategien“, die Fähigkeit zur Stressbewältigung oder diverse Ängste vor einzelnen Situationen (Angst vor Klassenarbeiten, Angst, im Mittelpunkt zu stehen oder die Leistung punktuell vor den Augen von Mitschülern oder Mitarbeitern abzurufen) (vgl. Reichardt 2018: 49f.).


Das Münchner Begabungsmodell zeigt auf, in welch komplexen Wechselbeziehungen das Verhalten hochbegabter Kinder und Erwachsener steht und wie hoch die Notwendigkeit ist, dieses konsequent im Kontext der jeweiligen zu beurteilenden Situation zu betrachten.


Zur Bewusstmachung dieser Tatsache kann folgendes Zitat hilfreich sein: „Wenn hochbegabte Kleinkinder sich den Erfordernissen anpassen, mag das die Mitmenschen fröhlicher machen. Für die Kinder sieht das anders aus“ (Niklas 2017: 77f.). Und weiter, zitiert aus der amerikanischen Marland-Studie von 1972 (benannt nach Sidney P. Marland, der diese Studie durchgeführt hat): „Manche junge Menschen mit Potenzial verbergen ihre Fähigkeiten, um sich einer normaleren Gruppe anzupassen. Hochbegabt zu sein heißt oft, anders zu sein und einzigartig und zu oft unsichtbar.“ (zit.n. Niklas 2017: 78).


An dieser Stelle wird die Situation hochbegabter Kinder beispielhaft angeführt, die Erfahrungen der Kindheit wirken sich auf das weitere Leben und das Verhalten im Erwachsenenalter aus: „[...] wer als Kind lernen muss, unsichtbar zu werden, ist irgendwann erwachsen und immer noch unsichtbar, und zwar nicht nur für Mitmenschen, sondern hochgradig auch für sich selbst." (Niklas 2017: 78).


Bezüglich dieser großen, konstanten – da täglichen – Herausforderung, sich an eine Gesellschaft anpassen zu müssen, deren Vorstellungen und Ideale nicht den eigenen entsprechen, ist auch zutreffend der darauf folgende Satz: „In einer solchen Diskrepanz zwischen gewolltem Schein und ungewolltem Sein zu leben, geht auf Dauer nicht gut, weil es die Basis für das ist, was man psychische Instabilität nennt" (Niklas 2017: 78). Die sich daraus ergebenden psychischen Mechanismen für hochbegabte Kinder und Erwachsene sind auf dieser Ausgangslage beruhend logisch herzuleiten.




An welchen konkreten typischen Merkmalen kann ich eine Hochbegabung erkennen?


Im Folgenden liste ich stichwortartig einige wichtige Persönlichkeitsmerkmale hochbegabter Kinder und Erwachsener auf. Es ist dabei wichtig festzustellen, dass in der Begleitung hochbegabter Kinder ein detaillierter und konstruktiver Blick auf ihre Verhaltensgewohnheiten weiterhilft sowie auch die empathische Begleitung von sich im Alltag häufig wiederholenden Situationen, um Rückschlüsse auf angeborene Fähigkeiten und Charaktereigenschaften ziehen zu können (siehe dazu auch meine hier aufgeführte Auswahl einiger Persönlichkeitsmerkmale hochbegabter Kinder und Erwachsener).


Wie bereits dargelegt, können wir nicht von „dem“ typischen hochbegabten Kind oder Erwachsenen sprechen – die Merkmale sind vielfältig, immer im Zusammenhang zu sehen und bei jedem in unterschiedlicher Intensität vorhanden. Manche Merkmale können auch gar nicht beobachtet werden, andere wiederum sehr deutlich.


Um eine Hochbegabung mit Sicherheit und basierend auf fachlichem Wissen zu erkennen, empfiehlt sich die Begleitung eines Beraters/Coaches für Hochsensitivität und Hochbegabung, der je nach individueller Notwendigkeit auch hilfreiche Empfehlungen zur Durchführung einer qualifizierte Begabungsdiagnostik aussprechen und diesen Prozess ebenfalls für alle Beteiligten konstruktiv begleiten kann (als Ergänzung zu dem jeweiligen Begabungsdiagnostiker, der die IQ-Testung durchführt).


Hier einige beispielhafte Merkmale hochbegabter Kinder:


  • haben bereits in frühem Alter einen ausgeprägten Wortschatz, stellen immer wieder viele und häufig komplexe Fragen, die bereits einige Zusammenhänge berücksichtigen

  • haben einige Interessen, die über die eigene Altersstufe hinausgehen

  • freunden sich leicht mit Kindern an, die älter sind als sie (auch mit mehreren Jahren Altersvorsprung) und sind sehr gerne in deren Gesellschaft - sie fühlen sich wohl

  • beobachten gerne und viel, „vergessen“ dabei häufig ihre Umwelt und die aktuelle Situation, in der sie sich befinden

  • hinterfragen häufig und gründlich bestehende Regeln und Entscheidungen von Erwachsenen bzw. von Bezugspersonen (gerade auch von ErzieherInnen oder LehrerInnen)

  • können in der Schule aufgrund von Unterforderung bzw. mangelnder Förderung und Abwechslung ins Underachievement („Minderleistung“) kommen, wodurch ihre schulische Motivation erheblich leidet – ihre vorhandene Intelligenz bleibt so dauerhaft im Verborgenen


Hochbegabte Erwachsene weisen typischerweise u.a. folgende Persönlichkeitsmerkmale auf:


  • eine schnelle Auffassungsgabe

  • wahrnehmen von vielschichtigen Details

  • weitreichende Überlegungen anstellen, Erfassen komplexer Zusammenhänge

  • schnelles, vorauseilendes Denken

  • hohes Streben nach Perfektion, dabei hoher (zumeist überhöhter) Anspruch an sich selbst und in der Konsequenz eher auch an andere




Hochbegabung erkennen und hochbegabte Kinder konstruktiv begleiten


Um eine Hochbegabung zu erkennen, gibt es verschiedene Herangehensweisen, die je nach individueller Situation anzuwenden sind. Die Begleitung durch einen Mentor/Coach für Hochsensitivität und Hochbegabung kann dabei von entscheidender Unterstützung sein. Das vor allem deshalb, weil mit dem Wissen um diese besondere Veranlagungen eine Neubewertung der durchlebten Erfahrungen behutsam angestoßen und unterstützt werden kann - zurückliegende Prägungen erfahren in diesem Zusammenhang eine konstruktive Betrachtung. Ein Mentor hilft durch das langsame Herantasten an das Hintergrundwissen dabei, mehr Sicherheit und Bewusstsein für das Verhalten im Alltag abzuleiten und aktiv anzuwenden.


Eine Hochbegabung steht in vielen Fällen durchaus im Zusammenhang mit einem Leben, das man auf den ersten Blick als „erfolgreich“ bezeichnen würde. Aufgrund ihrer vielseitigen Interessen und Bedürfnisse, die mit der tiefgründigen Wahrnehmung der Welt um sie herum verbunden sind, ist ein Lebensweg mit vielen „Umleitungen“ bei hochbegabten Erwachsenen ebenso sehr häufig anzutreffen. Entscheidend ist dabei die Art und Weise, wie man mit dieser Neugier und dem vielseitigen Interesse bereits ab der Kindheit umgegangen ist und wie man ihr im weiteren Verlauf begegnet.


Wenn hochbegabte Kinder von Anfang an lernen, dass ihr „Anderssein“ in Ordnung ist und von dem sie umgebenden Umfeld konstruktiv angenommen und gefördert wird, haben sie die einzigartige Möglichkeit, ihr vorhandenes Potenzial schon früh für sich selbst zu erkennen, zu nutzen und weiterzuentwickeln - der Grundstein für ein solides Selbstvertrauen als Begleiter auf ihrem weiteren Lebensweg ist gelegt.



Quellen:

- Niklas, Andreas/Niklas, Claudia (2017): "Die Rätselhaften. Wie Hochbegabte besser mit sich und anderen leben". München: Kösel.

- Reichardt, Eliane (2018): "Hochbegabt? Potenziale erkennen und fördern". München: Irisiana.



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